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Andreas Koerner
Stolpersteine in Borbeck

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig.
Mit diesen Mahnmalen soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die von den
Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden.
Nach der Ursprungsidee im Jahre 1993 kam es 1994 zu einer ersten Ausstellung der
Stolpersteine in der Antoniterkirche in Köln.
Der damalige Pfarrer machte ihm Mut, die Steine zu verlegen.
1995 verlegte Demnig probeweise und ohne Genehmigung die ersten Steine in Köln,
danach in Berlin-Kreuzberg in der Oranienstraße.
Inzwischen (Oktober 2006) hat Gunter Demnig über 9.000 Steine in über 186 Städten und
Gemeinden gesetzt.
Stolpersteine wurden nicht nur in Deutschland verlegt, sondern auch in Österreich, Italien
und den Niederlanden.
Eine für den 1. September 2006 geplante Verlegung in Polen fand nicht statt, nachdem
die Genehmigung dafür wieder zurückgezogen wurde.
Im Juni 2007 werden die ersten Stolpersteine in Ungarn verlegt.
Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem
- zumeist - letzten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt.
"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt der Kölner
Bildhauer.
Die Steine sind aus Beton gegossen und tragen an der Oberseite eine 10 mal 10
Zentimeter große Messingtafel, in die Demnig mit Hammer und Schlagbuchstaben
die Überschrift HIER WOHNTE und darunter den Namen, die Lebensdaten - soweit
bekannt - und das weitere Schicksal jedes einzelnen Menschen einstanzt.
Viele Menschen entdecken die Steine denn auch eher zufällig und realisieren teilweise
erst durch sie, dass in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft Deportation und Vernichtung
stattfanden.
Die Aktion in Essen, die der Historische Verein für Stadt und Stift Essen betreut,
begann 2004.
Auf Initiative des ehemaligen Oberbürgermeisters Peter Reuschenbach fanden sich
Spender und Paten zusammen, die die einzelnen Steine finanzieren.
Der Stadt entstehen daher keine Kosten.
Die ersten Stolpersteine in Essen erinnern an Emma, Leo, Walter und Alfred Cussel, die
in Essen zuletzt in dem sogenannten "Judenhaus" in der Kastanienallee lebten.
Alfred Cussel und seine Kinder wurden in das Ghetto Izbica deportiert, das den
Nationalsozialisten als Durchgangslager für die Vernichtungslager Sobibór und Belzec
diente.
Niemand aus der Familie überlebte.
Das Projekt Stolpersteine wird in Essen fortgesetzt.
Informationen über Patenschaften erteilt der Historische Verein Essen.
Ansprechpartner ist (seit April 2006) Andreas Koerner. (stolpersteine(at)hv-essen.de)
- Diese Informationen habe ich aus der Homepage von Gunter Demnig und der des
Historischen Vereins für Stadt und Stift Essen zusammengesetzt.
Nachdem in Essen etwa 50 Stolpersteine verlegt worden waren, wurden am 15. November
2005 in Borbeck erste Stolpersteine verlegt.
Am 24. Januar 2006 wurde die Stolpersteinverlegung in Borbeck fortgesetzt.
Am 13. April 2006 wurden die (zunächst?) letzten Stolpersteine verlegt.
Da in Borbeck weitere Stolpersteine so schnell nicht verlegt werden, scheint jetzt für
Borbeck ein Überblick über die bereits verlegten Stolpersteine sinnvoll zu sein.
Ich habe die Liste alphabetisch nach Straßennahmen angelegt.
Ich habe mich bemüht, in wenigen Worten etwas über die Personen mitzuteilen, derer
mit diesen Stolpersteinen gedacht wird.
Es ist kein Geheimnis, dass die Leiterin der Alten Synagoge in Essen Edna Brocke und
ihr Stellvertreter Dr. Peter Schwiderowski gegen Stolpersteine sind.
Sie teilen ihre Argumente gern jedermann mit.
Darauf möchte ich hier nicht eingehen.
Bestärkt in der Wichtigkeit der Stolpersteine fühle ich mich durch die folgenden Worte von
Hannah Arendt (1906-1970).
Sie ist eine Tante von Edna Brocke. Sie schrieb:

"Der Mörder, der einen Leichnam hinter sich lässt und nur darum besorgt ist, die Spuren
der eigenen Identität zu verwischen, kann es schwerlich aufnehmen mit den modernen
Massenmördern, die keine Spur ihrer Taten hinterlassen und politisch organisierte Macht
besitzen, die groß genug ist, ihre Opfer aus dem Gedächtnis der Lebenden zu streichen.
Erst wenn ein Mensch aus der Welt der Lebenden so ausgelöscht ist, als ob es ihn nie
gegeben hätte, ist er wirklich ermordet." 1


Diese Liste ist ein Versuch, das Gedächtnis der Lebenden an die Opfer wachzuhalten.2

Aktienstraße
Guttek, Emil
Geb. 4.9.1904. am 23.5.1944 nach Zuchthaus als Angehöriger des Strafbataillons 999
gefallen. (KPD)
Aktienstr. 160
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt.
Der Borbecker Bergmann Emil Guttek war beteiligt am Aufbau einer kommunistischen
Widerstandgruppe in Essen-Borbeck. Sie war entdeckt worden.
Im Anschluss an die Verbüßung seiner Zuchthausstrafe wurde er ins
Strafbataillon 999 gesteckt.
(Hans-Josef Steinberg: Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945, S. 113 und 335)

Alte Bottroper Straße
Cretnik, Anton
Geb. 16.1.1891, +April 1945. (Zeuge Jehovas)
Alte Bottroper Straße, Bushaltestelle (früher: Hugostr. 6)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.
"Er wurde verdächtigt, in seiner Wohnung konspirative Treffen mit seinen Glaubensbrüdern
veranstaltet, dort den verbotenen ‚Wachturm′, die Zeitschrift der Zeugen Jehovas gelesen
und auch Papier, Matrizen und Druckfarbe zur Herstellung dieser Zeitschrift bei sich
versteckt zu haben.
Am 7. April 1943 wurde Cretnik verhaftet, verhört und auch gefoltert.
Nach seiner Verurteilung zu fünf Jahren Zuchthaus saß er in verschiedenen
Strafanstalten ein.
Am 24. April soll er dann in das berüchtigte KZ Dachau gebracht werden.
Dort jedoch ist Cretnik nie eingetroffen."
(Manuel Hessling in "together. Magazin der Sutter-Gruppe" Nr. 70 vom September 2005
nach Informationen von Ernst Schmidt: Zwei Borbecker im Widerstand, in: Borbecker
Nachrichten v. 11. Januar 1991)

Hawes, Helmut
Geb. 6.4.1927, am 7.4.1945 wegen Fahnenflucht standrechtlich erschossen. (Soldat)
Alte Bottroper Straße, Bushaltestelle (früher: Im Hesselbruch 27) (Soldat)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: SPD und AWO Dellwig.
Die drei jungen Borbecker Soldaten Helmut Hawes, Johann Hansjosten und Hans van der
Mee beschlossen Anfang April 1945, vom Heimaturlaub nicht mehr zu ihren Einheiten
zurückzukehren.
Die alliierten Truppen standen bereits auf der anderen Seite des Rhein-Herne-Kanals.
Am 4. April jedoch wurden die drei "Fahnenflüchtigen" von einem Nachbarn in der
Polizeidienststelle Bottroper Straße 549 angezeigt.
Sie wurden verhaftet, von einem Standgericht unter dem Vorsitz des Oberstabsarztes
Dr. Falk zum Tode verurteilt und von einem Kommando deutscher Soldaten in der Nähe
von Werden erschossen.
Helmut Hawes wurde an diesem Tag 18 Jahre alt.
(Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis 2, S. 267-280: "Standrechtlich erschossen.
Der Tod von drei Jungen in den letzten Kriegstagen.")

Hansjosten, Johann
Geb. 15.5.1927, am 7.4.1945 wegen Fahnenflucht standrechtlich erschossen. (Soldat)
Alte Bottroper Straße, Bushaltestelle (früher: Heegstr. 45 e)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: SPD und AWO Dellwig.
Näheres unter Helmut Hawes.

Mee, Hans van der
Geb. 20.4.1923, am 7.4.1945 wegen Fahnenflucht standrechtlich erschossen. (Soldat)
Alte Bottroper Straße, Bushaltestelle (früher: Bottroper Str. 491)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Günter Drame.
Näheres unter Helmut Hawes.

Unterberg, Johannes
Geb. 5.10.1892, am 23.5.1940 im KZ Sachsenhausen umgebracht. (Priester)
Alte Bottroper Straße, Bushaltestelle (früher: Bottroper Str. 520)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Katholische Kirchengemeinde St. Michael
Dellwig.
Johannes Unterberg wurde 1893 in Bottrop geboren und wuchs ab 1903
im Hesselbruch auf.
1920 trat er in den Orden der Salvatorianer ein.
Als junger Priester veranstaltete er Exerzitien für Jugendliche, die begeisterten.
Das war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge.
Unter fadenscheinigen Gründen wurde er von der Gestapo gefangengenommen.
Anschließend kam er ins Konzentrationslager Sachsensenhausen.
Aus dem KZ schrieb er:

"Du siehst, ich bin bereit, dieses mein Kreuz und Leid im rechten Geiste,
mit starker Seele zu tragen.
Es wird auch diese Zeit für mich und meinen Beruf nicht ohne Segen sein."
(Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis 2, S. 141-158: "in Memoriam:
Pater Reinhold Unterberg".)


Altendorfer Straße
Bauernfeind, Josef
Geb. 11.7.1876, am 9.8.1933 an der Frintroper Str. 106 (heute:
Verkehrsübungsplatz) umgebracht. (KPD)
Altendorfer Str. 493 (früher: 207)
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt.
Mit den Notverordnungen vom 28. Februar 1933 wurden die Bürger des Deutschen
Reiches vogelfrei.
Mit rücksichtslosem Terror gingen SA und SS gegen Kommunisten, Sozialdemokraten
und sonstige Bürger vor, ohne irgendwelche Bestrafungen befürchten zu müssen.
An der Frintroper Straße gab es angrenzend an den Schlosspark eine ehemalige Ziegelei.
Räume dieser Ziegelei wurden von der SA als Folterkeller benutzt.
Dort wurde von diesen SA-Leuten auch Josef Bauernfeind am 9. August 1933 ermordet,
angeblich wegen Verteilung illegaler Flugblätter.
(Hans-Josef Steinberg: Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945, S. 48.)

Hölter, Theodor
Geb. 20.7.1899, am 23.3.1944 in Untersuchungshaft umgekommen. (Zeuge Jehovas)
Altendorfer Str. 557 (früher: 271)
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt.
In der Gestapoakte von Theodor Hölter haben sich eigene Aussagen von ihm erhalten,
unter anderen folgende:

"Weil meiner festen Überzeugung nach das ‚Heil′ letzten Endes nur von
Christus ausgeht, lehne ich auch den Gruß ‚Heil Hitler′ ab; ich erblicke
in diesem Gruß eine Verherrlichung eines einzelnen Menschen und darüber
hinaus eines Systems, die keinem irdischen Wesen zukommt."

(Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis, 1 S. 174-178: "Borbecker Zeugen Jehovas
und ihre Peiniger")

Lomberg, Karl
Geb. 16.1.1891, am 20.10.1944 hingerichtet. (KPD)
Altendorfer Str. 568 (früher: 302)
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt. Pate: Industriegewerkschaft Metall Essen.
Als Mitglied einer Widerstandsgruppe wurde Karl Lomberg hingerichtet.
In seinem Abschiedsbrief schrieb er unter anderem:

"Liebe Maria! Nun ist die Stunde gekommen, wo unser Schicksal sich entschieden
hat. Soeben haben wir die Nachricht bekommen, dass unser Urteil heute um vier
Uhr vollstreckt wird. Es ist bitter, aber nun nichts mehr zu ändern.
Alles Hoffen war vergebens.
Meine Leidenszeit ist nun vorbei.
Für Euch fängt diese nun erst an."

(Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis 1, S. 166 - 174: "Karl Lomberg und
die Zielasko-Gruppe)

Bocholder Straße
Deuter, Anton
Geb. 28.8.1882, +4.10.1938 KZ Buchenwald. (KPD)
Bocholder Str. 296
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.
Im Zuchthaus Herford traf der Essener Sozialdemokrat und Betriebsratsvorsitzende
der Essener Straßenbahn Otto Meister den Kommunisten Anton Deuter aus Borbeck.
Beim Tütenkleben, "eine Ausplünderung der Strafgefangenen in der vollendetsten Form",
diskutierte er mit Anton Deuter:

"Im Tütensaal saßen wir uns gegenüber.
Alle politischen Probleme wurden während der Arbeitszeit durchgesprochen, auch
manche hitzige Debatte geführt.
Es ließ sich auch mit ihm debattieren, da er in der Arbeiterjugend groß
geworden war und ein überdurchschnittliches Wissen besaß."


Später kam Anton Deuter im KZ Buchenwald um.
(Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis 1, S. 95-104: "Die illegalen Maifeiern der
Essener Sozialdemokraten. Aus dem Bericht von Otto Meister".)

Borbecker Platz
Loewenthal geb. Heymann, Ernestine
Geb. 17.3.1888, am 27.10.1941 nach Lodz, +24.7.1942. (Jude
Borbecker Platz 2
Stolperstein am 15.11.2005 verlegt. Pate: Kultur-Historischer Verein Borbeck.
Näheres unter Sally Loewenthal.

Loewenthal, Manfred
Geb. 7.2.1922, von Belgien nach Auschwitz, +14.9.1942. (Jude)
Borbecker Platz 2
Stolperstein am 15.11.2005 verlegt. Pate: Kultur-Historischer Verein Borbeck.
Manfred Loewenthal wurde als Sohn von Sally und Ernestine Loewenthal in Borbeck
geboren.
Er besuchte von Ostern 1932 bis Ostern 1938 das Borbecker Gymnasium.
Danach besuchte er eine Mechanikerschule in Lüttich, Belgien.
Bei einem Besuch seiner Eltern erlebte er die Pogromnacht mit der Zerstörung
des Ladens seines Vaters.
Wie sein Vater kam er anschließend ins KZ Dachau.
Manfred kehrte nach seiner Entlassung aus dem KZ nach Belgien zurück und ist
von dort ins KZ Auschwitz deportiert und dort umgebracht worden.
(Ernst Schmidt: Es läuft da eine gewisse Aktion. Die jüdischen Schüler, in: Klaus
Lindemann: "Dies Haus, ein Denkmal wahrer Bürgertugend." Das Gymnasium seit der
Kaiserzeit, S. 310-330.)

Loewenthal, Sally
Geb. 18.12.1883, am 27.10.1941 nach Lodz, +25.6.1942. (Jude)
Borbecker Platz 2
Stolperstein am 15.11.2005 verlegt. Pate: Kultur-Historischer Verein Borbeck.
Die Firma Gebrüder Goldblum, Gelsenkirchen, betrieb in Borbeck ein gleichnamiges
Herrenkonfektionsgeschäft (heute Redmann).
Der Geschäftsführer Sally Loewenthal wohnte mit seiner Frau und seinem Sohn
im gleichen Haus.
Auch diesen Laden haben die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10.
November 1938 zerstört.
Eine Borbeckerin, die dort angestellt war, erinnerte sich:

"Als ich morgens zur Arbeit kam, sah ich von weitem, was geschehen war.
In und vor dem Goldblumgeschäft ein einziges Chaos.
Bis zur Dionysiuskirche hatte man Gegenstände, die zur Ladeneinrichtung
gehörten, verstreut oder an Laternenmasten aufgehängt.
Auf einer Schaufensterbüste erkannte ich meine Mütze, die ich am Tage zuvor
vergessen hatte.
Im Geschäft lag alles durcheinander.
Die Fensterscheiben waren eingeschlagen, die Ladeneinrichtung völlig demoliert und
Anzüge mit Farbe bespritzt.
Ich traf nur Frau Loewenthal. Sie weinte bitterlich. Ihren Mann hatte man mitgenommen."


Sally Loewenthal hatte man ins KZ Dachau verschleppt.
Kurz vor dem Abtransport der Loewenthals nach Lodz sah die Borbeckerin ihren Chef
noch einmal auf der Straße:

"Er hatte sich so verändert, dass ich ihn fast gar nicht erkannte."

(Ernst Schmidt: "Schaufensterpuppen an den Straßenlaternen. Neue Berichte über
die Nacht des Schreckens im November 1938." in: Borbecker Nachrichten vom
28. Oktober 1983.)

Loewenstein geb. Herzstein, Elli
Geb. 6.9.1888, am 10.11.1941 nach Minsk.
Borbecker Platz 5 (früher: Borbecker Str. 136)
Stolperstein am 15.11.2005 verlegt.
Elli Loewenstein war die Frau von Max Loewenstein und die Schwiegertochter von Jacob
Loewenstein, der mit seiner Schwester Sophie seit 1885 das Geschäft Gebr.Loewenstein
in Borbeck-Mitte besaß.
(Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis 1, S. 194-213: "Gertrud und Edith Loewenstein.
Das Schicksal einer jüdischen Familie und der Widerstand ihrer Töchter.")

Hafenstraße
Schwarz, Chaim
Geb. 1.4.1898, emigriert aus politischen Gründen, seit November 1938 verschollen. (Jude)
Hafenstr. 27
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt.
Chaim Schwarz, von Beruf Monteur, war seit 1923 in der KPD. Er war befreundet mit der
Familie des Knappschaftsältesten Heinrich Schäfer in Borbeck.
Im März 1933 verhaftete man ihn auf dem Büro der Revolutionären
Gewerkschaftsopposition (RGO) in Essen.
Nach seiner Haftentlassung im September 1933 emigrierte er, erst in die Schweiz, dann
nach Frankreich.
Heinz Renner hatte ihn 1939 noch in Paris getroffen. Dort verlieren sich seine Spuren.
(Nach: Archiv Ernst Schmidt, Akte 19-431.)

Haus-Berge-Straße
Cahn, Emma
Geb. 20.3.1870, am 27.4.1942 nach Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach
Theresienstadt. (Jude)
Haus-Berge-Str. 204
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt. Pate: Evangelisches Markushaus in Vogelheim.
Emma und Jettchen Cahn hatten an der Haus-Berge-Straße einen kleinen
Kurzwarenladen.
Als sie im Jahre 1942 nach Theresienstadt in den Tod deportiert wurden, war
Emma schon 72, Jettchen schon 70 Jahre alt.
Eine Borbeckerin erinnerte sich an die Schwestern.

"1931 wurde ich dann aus der Schule entlassen.
Es gab so viele Arbeitslose, dass an eine Lehrstelle nicht zu denken war.
Da bin ich halbtags zu zwei jüdischen Damen gegangen und habe deren Wohnung
geputzt.
Die eine war im Geschäft, die andere mehr im Haushalt.
Sie zeigte mir, wie man richtig putzt und sich die Arbeit vorher überlegt
und einteilt.
Ich aß mit den Damen zusammen, und so lecker wie sie kochten und backten,
das kannte ich ja nicht.
Am Sabbat durfte ich nur die Gaslampen und das Feuer im Ofen anzünden, dann
war es richtig feierlich."

(Borbecker Nachrichten vom 28. April 1988)

Cahn, Jettchen
Geb. 4.6.1872, am 27.4.1942 nach Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach
Theresienstadt. (Jude)
Haus-Berge-Str. 204
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt.
Pate: Giselheid Bahrenberg und Friderike Wilberg.
Näheres unter Emma Cahn.

Dublon, Adelheid
Geb. 17.11.1908, am 27.4.1942 nach Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach
Theresienstadt. (Jude)
Haus-Berge-Str. 204
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt.
Pate: Familie Arnold.
Über Adelheid Dublon ist nichts Näheres bekannt.
Sie wohnte zu der Zeit der Deportation bei Emma und Jettchen Cahn und
ist mit ihnen deportiert worden.

Loewenstein, Eli
Geb. 21.4.1883, am 21.4.1942 Theresienstadt. (Jude)
Haus-Berge-Str. 231 (heute: Haus-Berge-Krankenhaus)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.
Eli Loewenstein war ein Bruder von Max Loewenstein, dessen Frau Elli vor
dem Haus Borbecker Platz 2 auch einen Stolperstein erhalten hat.
Fritz Rohr, dessen Mutter eine geborene Loewenstein war, teilte unter
anderem Folgendes über seinen Onkel Eli mit:

"Er war körperbehindert, hatte einen Buckel und stark zitternde Hände.
Dabei war er ungemein vielseitig interessiert und hochintelligent.
Er spielte hervorragend Klavier, hatte eine sehr gute und starke Baritonstimme.
Meine Mutter, die auch gut Klavier spielte, hatte für ihn Verständnis
und er rief sie dann gern, um ihr irgendwelche klassische Musik vorzuspielen und
zu singen.
Eli war unerhört unterhaltsam, hatte immer eine Menge Witze auf Lager, konnte
erzählen bis alle lachten oder weinten.
So kam es, dass das Rohr-Personal bei dem jährlich stattfindenden Ausflug
immer bat: ‚Lasst Eli mitgehen.′"


Frau Hanni Coleman geborene Pellen erinnerte sich an Eli Loewenstein im Haus Berge.

"Ich habe nicht nur im Haus-Berge ein neues Zuhause gefunden, sondern auch eine
Arbeitsstelle. Damals gab es im Haus einen Bereich, in dem vorwiegend behinderte
Männer untergebracht waren.
Ich half damals bei der Betreuung.
Einer von ihnen war Eli Loewenstein, immer freundlich und immer zu Scherzen aufgelegt.
Er hatte einen Buckel, war also stark körperbehindert, deshalb erinnere ich mich
an ihn.
Oft saß er im Garten auf einer Bank und dann und wann unterhielt ich mich mit
ihm.
Als ich 1942 Haus-Berge verließ, war er noch da."

(Ernst Schmidt: Eli Loewenstein dem Vergessen entrissen, in: Borbecker Nachrichten
vom 23. Mai 1986.)

Rosenbaum, Moritz
Geb. 7.12.1879, am 21.7.1942 Theresienstadt. (Jude)
Haus-Berge-Str. 231 (heute: Haus-Berge-Krankenhaus)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.
Moritz Rosenbaum war wie Eli Loewenstein im katholischen Krankenhaus Haus-Berge
von den Schwestern versorgt worden, bevor auch er nach Theresienstadt in den
Tod deportiert wurde.
Näheres ist über ihn nicht bekannt.

Marktstraße
Loewenstein, Adolf
Geb. 6.1.1869, am 22.4.1942 nach Izbica. (Jude)
Marktstr. 10
Stolperstein am 15.11.2005 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.
Adolf Loewenstein war ein Neffe von Jacob Loewenstein.
Sein Vater Philipp hatte in der Altenessener Straße ein Geschäft.
Adolf besaß in der Marktstraße 10 ein Herrenkonfektions-
geschäft.
Er wohnte mit seiner Familie in der Rechtstraße 19.
Im Anschluss an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde Adolf
Loewenstein ins KZ Dachau verschleppt und kam erst im Januar 1939 wieder frei.
(Ernst Schmidt: Die Loewensteins aus der Rechtstraße, in: Borbecker Nachrichten vom
16. August 1990.)

Loewenstein geb. Hohenstein, Johanna
Geb. 25.5.1891, am 22.4.1942 nach Izbica. (Jude)
Marktstr. 10
Stolperstein am 15.11.2005 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.
Näheres bei Adolf Loewenstein.

Loewenstein, Martin
Geb. 6.12.1929, am 22.4.1942 nach Izbica. (Jude)
Marktstr. 10
Stolperstein am 15.11.2005 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.
Näheres bei Adolf Loewenstein.

Hirsch, Hugo
Geb. 7.6.1867, am 22.4.1942 nach Izbica. (Jude)
Marktstr. 15 (früher: Borbecker Str. 140)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.
Hugo und Jenny Hirsch besaßen in der Marktstraße 15 ein
Damenmodegeschäft.
1939 mussten sie in ein sogenanntes "Judenhaus" in der Richard-Wagner-Straße 62
umziehen, wo viele ausgeraubte Juden vorübergehend zusammen lebten.
Am 22. April 1942 wurden sie nach Izbica, einem Zwangslager im Osten Polens,
deportiert und sind dort umgekommen.
(Hermann Schröter: Geschichte und Schicksal der Essener Juden,
S. 387 und 584.)

Hirsch geb. Frank, Jenny
Geb. 7.12.1885, am 22.4.1942 nach Izbica. (Jude)
Marktstr. 15 (früher: Borbecker Str. 140)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.
Nähere Informationen unter Hugo Hirsch.

Biema, Alfred van
Geb. 8.12.1882, am 21.7.1942 nach Theresienstadt. (Jude
Marktstr. 24 (früher Borbecker Str. 137)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Inge Wolf.
Alfred van Biema wurde in Hannover geboren und war Reichsoberbahnrat in Halle an der
Saale.
Er wohnte in den 30er Jahren zunächst in der Ruhrallee und zog später in das Haus von
Elli Loewenstein Borbecker Straße 137.

"Pfarrer Dr. Groß bemühte sich sehr um den im Loewensteinschen Haus in der Borbecker
Straße wohnenden Alfred van Biema, der wegen seiner jüdischen Abstammung zu den
Ausgestoßenen gehörte.
Deshalb hatte man ihm oftmals tagsüber im Lutherhaus Schutz und gewährt.
Später, am 21. Juli 1942, wurde er jedoch nach Theresienstadt deportiert und ist dort in
das Konzentrationslager Auschwitz überführt worden."
(Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis 1, S. 127-133: "Pfarrer Dr. Erich
Groß und die ‚Deutschen Christen′".)

Stern, Berta
Geb. 18.10.1867, am 21.7.1942 nach Theresienstadt, + 6.1.1943. (Jude)
Marktstr. 26 (früher: Borbecker Str. 135)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt.
Pate: Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim.
Gegenüber dem alten Borbecker Marktplatz hatten Benedikt Stern und seine Frau Berta
ein Textilgeschäft.
Sie hatten zusammen einen Sohn Richard, der von 1910 bis 1918 das Gymnasium
Borbeck besuchte.
1939 konnte Richard Stern mit seiner Frau Liselotte nach England emigrieren.
Im November 1938 wurde auch Berta Sterns Geschäft von SS-Männern zertrümmert.
Eine Borbeckerin, die ihr den Haushalt führte, erinnerte sich:

"Die alte Frau Stern lebte noch kurze Zeit in ihrer Wohnung.
Das Geschäft musste sie aufgeben und das Haus ging in den Besitz von Zigarren-Reuter
über.
Sie selbst wurde später gezwungen, in das ‚Judenhaus′ Hindenburgstraße 22 zu ziehen.
Dort habe ich sie einmal besucht und brachte der guten Frau etwas zu essen.
Auf engstem Raum lebten hier viele Menschen.
Bald darauf hat man sie mit anderen in den Tod geschickt."
(Ernst Schmidt: ‚Reichskristallnacht′ 1938 in Borbeck. "Mädchen mach dich auf alles
gefasst. Bei Stern sieht es furchtbar aus…" in: Borbecker Nachrichten vom 4. November
1983)

Grünebaum geb. Plaut, Clementine
Geb. 13.12.1871, am 27.4.1942 nach Holbecks Hof, am 21. 7. 1942 nach
Theresienstadt. (Jude)
Marktsraße 56 (früher: Borbecker Str. 111)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Frau Jeusfeld, Mitarbeiterin der Sutter-Gruppe.
Über Clementine Grünebaum geborene Plaut ist nichts Näheres bekannt.

Seelmann, Adele
Geb. 1.2.1879, am 22.4.1942 nach Izbica. (Jude)
Marktstraße 56 (früher: Borbecker Str. 111)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt.
Adele Seelmann war eine Tochter von Albert Seelmann, der schon 1868 als Metzger und
später auch als Wirt in Borbeck lebte. Ihr Bruder Benedikt hatte in Dellwig eine Metzgerei
eröffnet. Sie führte die Gastwirtschaft ihres Vaters weiter.
Heute ist dort die Gastwirtschaft Rolef gegenüber der Post.

Neustraße
Wingen, Eveline
Geb. 14.10.1918, + 14.10.1942 KZ Auschwitz.
Neustr. 130 a
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt.
Über das Schicksal von Eveline Wingen ist fast gar nichts bekannt.
Nachbarn erinnern sich, dass Eveline als junges Mädchen etwas unangepasst war.
Die Mutter hat nach dem Krieg selbst ihrem Bruder nichts von Evelines Schicksal
erzählen wollen.

Otto-Brenner-Straße
Lazarus, Gustav
Geb. 18.4.1869, am 22. 4.1942 nach Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach
Theresienstadt. (Jude)
Otto-Brenner-Str. 47 (früher: Prinzenstr. 7)
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.
Nähere Informationen bei Ida Lazarus.

Lazarus geb. Berghausen, Ida
Geb. 28.10.1872, am 28.4.1942 nach Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach
Theresienstadt. (Jude)
Otto-Brenner-Str. 47 (früher: Prinzenstr. 7)
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.
Ida Lazarus geborene Berghausen besaß in dem Haus Borbecker Straße 136
(heute Borbecker Platz 5) ein Fotoatelier.
Viele Borbecker Familien ließen sich bei Berghausen fotografieren.
Ihr folgte als arischer Fotograf L. Menke.

Rauchstraße
Gans geb. Seelmann, Hildegard
Geb. 29.11.1919, 1939 nach Holland, von dort deportiert nach Auschwitz. (Jude)
Rauchstr. 17
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt.
Näheres siehe Johanna Seelmann.

Seelmann, Johanna
Geb. 16.9.1875, 1939 nach Holland, von dort deportiert nach Sobibor. (Jude)
Rauchstr. 17
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt.
Johanna Seelmann war die Frau des 1932 verstorbenen Metzgers Benedikt.
Sie hatten die beiden Töchter Hildegard und Rosi, die zwar nach Holland heirateten, aber
sich vor der Ermordung durch die nationalsozialistischen Machthaber nicht retten konnten.

Weinhuisen geb. Seelmann, Rosi
Geb. 5.3.1907, 1938 nach Holland, von dort deportiert nach Sobibor. (Jude)
Rauchstr. 17
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt.
Näheres siehe Johanna Seelmann.

Rechtstraße
Gutzmann, Ludwig
Geb. 12.1.1902, am 15.1.1935 im KZ Sachsenhausen umgebracht. (KPD)
Rechtstr. 8
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt.
Ludwig Gutzmann war als Mitglied der KPD auch nach dem Verbot der Partei im
Jahre 1933 aktiv.
Er wurde deshalb wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu sieben Jahren Zuchthaus
verurteilt.
Als er 1941 entlassen werden sollte, ordnete der Chef der Gestapo Reinhard Heydrich die
Überführung ins KZ Sachsenhausen an.
Er hinterließ eine Frau mit drei Kindern.
(Ernst Schmidt: "Menschen, die man nicht vergessen darf", in: Borbecker Nachrichten
vom 30. Juli 1998)

Klein, Johannes
Geb. 20.3.1906, nach Zuchthaus und Konzentrationslager im Dezember 1944 als
Angehöriger des Strafbataillons 999 gefallen. (SPD)
Rechtstr. 38
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt.
Der in Borbeck geborene Johannes Klein gehörte einer sozialdemokratischen
Widerstandsgruppe an. Er wurde 1935 verhaftet und verbrachte nach brutalen
Gestapo-Verhören ein Jahr im Gefängniskrankenhaus.
Er fiel als Angehöriger des Strafbataillons 999 in Jugoslawien.
(Hans-Josef Steinberg: Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945, S. 79)

Schmale Straße
Wienert, Wilhelm
Geb. 26.6.1888, + 14.9.1945 an Haftfolgen. (Volksopposition)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt.
Wilhelm Wienert war ein Borbecker Heilpraktiker, den seine kritischen Bemerkungen zur
nationalsozialistischen Politik wiederholt ins Gefängnis brachten.

Theodor-Hartz-Straße
Ayon, Engelbert
Geb. 8.5.1925, am 22. 4.1942 Izbica. (Jude)
Theodor-Hartz-Str. vor der kath. Kirche St. Johannes Bosco (früher: Spielstr. 6)
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Paten: Familien Hirschsohn, Rupprecht u. Wronski.
Karl Ayon kam 1919 aus Polen nach Essen und arbeitete hier auf der Zeche Carolus
Magnus.
Er war jüdischer Herkunft und heiratete eine Nichtjüdin. Da der Sohn Engelbert
auf die jüdische Volksschule ging, galt er als Volljude. Deshalb wurde er deportiert.
Sein letztes Lebenszeichen auf einer Postkarte lautete:

"Ich bin gesund, es geht mir gut. Dank für die Postsendungen. Engelbert."

Seine Mutter sagte dazu.

"Wir hörten nie wieder etwas von ihm. Man hat ihn umgebracht. Wann und wo er sterben
musste, konnten wir nie erfahren."

(Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis 2, S. 15-26: "Die Ajons und die Hirsch-sohns")

Weidkamp
Schieren, Franz
Geb. 24.1.1911, ab 12.1.1939 nach Belgien, von dort deportiert. (Jude)
Weidkamp 8
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt.
Franz Schieren besuchte von 1920 bis 1929 das Gymnasium Borbeck.

"Nach der Pogromnacht vom 9. bis zum 10. November 1938 hat man den Vater bis zum
19. November 1938 inhaftiert.
Franz Schieren emigrierte am 12. Januar 1938 nach Antwerpen.
Hier war er Studienrat und als Sprachlehrer tätig.
Offenbar ist er nach dem deutschen Überfall auf Belgien von hier aus in den Tod
deportiert worden, denn in einer Liste der ermordeten Essener Juden steht auch sein
Name."

(Ernst Schmidt: Es läuft da eine gewisse Aktion. Die jüdischen Schüler, in: Klaus
Lindemann: "Dies Haus, ein Denkmal wahrer Bürgertugend." Das Gymnasium seit der
Kaiserzeit, S. 310-330.)

Schieren geb. Kaufmann, Helene
Geb. 18.9.1872, am 28.4. zum Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach Theresienstadt. (Jude)
Weidkamp 8
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Bastelkreis der Matthäuskirche in
Borbeck.
1900 gründeten zwei Brüder Kaufmann aus Hüls bei Krefeld an der Ecke Hülsmannstraße
/ Dionysiuskirchplatz das Modegeschäft "Gebrüder Kaufmann".
Später wurde es von der Schwester Helene und ihrem Mann Lazarus Schieren
weiterbetrieben.
1930 machte es Konkurs.
Später wurde ein neues Geschäft in der Borbecker Straße 159 eröffnet.

Schieren, Lazarus
Geb. 12.8.1875, am 28.4.1942 zum Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach
Theresienstadt. (Jude)
Weidkamp 8
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt.
Näheres unter Helene Schieren geborene Kaufmann.

Berghausen, Johanna
Geb. 27.3.1869, am 29.4.1942 nach Holbecks Hof, am 21. 7. nach Theresienstadt,
12.3.1943 + (Jude) Weidkamp 9
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Kiberli Lewis, Mitarbeiterin der Sutter-Gruppe.
Johanna Berghausen besaß in dem Haus Weidkamp 9 eine Pension und einen
Mittagstisch.
Ihre Schwester Ida hatte das bekannte Borbecker Fotoatelier.

Löwenberg, Ernst
Geb. 13.1.1878, am 27.10.1941 nach Lodz. (Jude)
Weidkamp 9
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.
Ernst Löwenberg kam 1903 als Handlungsgehilfe (Kommis) nach Borbeck zur Firma
Gebrüder Loewenstein. Er wohnte lange im Haus Dionysiuskirchplatz 9, im Haus der
Loewensteins. Er leitete die Buchhaltung.

Biesunski, Adele
Geb. 7.7.1905, am 29.10.1942 nach Lodz. (Jude)
Weidkamp 129
Stolperstein am 13.4.2006 verlegt. Pate: Frau Lammert, Mitarbeiterin der Sutter-Gruppe.
Abraham Mordechai Biesunski heiratete 1923 in der Schweiz Meska Adele Langenbeheim.
Sie hatten zwei Kinder, Manfred und Leo, die 1931 und 1934 in Essen zur Welt kamen.
Ab 1936 wohnten sie Weidkamp 129.
Abraham konnte seine Kinder und sich in die Schweiz retten.
Seiner Frau gelang die Flucht nicht mehr.
("Aus dem Leben jüdischer Familien in Borbeck" in: Borbecker Nachrichten vom
3. Juni 1988)

Wüstenhöferstraße
Salzmann, Arthur
Geb. 14.3.1880, am 27.10.1941 nach Lodz. (Jude)
Wüstenhöferstr. 221
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pater: Industriegewerkschaft Metall Essen.
Die Salzmanns wohnten seit 1910 in Borbeck. Arthur Salzmann leitete dort die
Möbelabteilung im Geschäft der Geschwister Loewenstein und gründete,
als die Loewensteins die Möbelabteilung aufgaben, ein eigenes
Möbelgeschäft in der Gerichtsstraße 42 (heute: Beerdigungsinstitut Voss).
Die Kinder Werner, Ursel und Ruth wurden in Borbeck geboren und gingen hier zur Schule.
Im Februar 1938 war sein Geschäft "arisiert" worden.
Nach der Pogromnacht wurde Arthur Salzmann am 10. November 1938 verhaftet und am
23. November wieder entlassen.
Am 3. Januar 1941 zog er zur Hammacherstraße 4 in der Stadtmitte.
Von hier aus wurde er am 27. Oktober 1941 nach Lodz in den Tod verschleppt.
(Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis 2, S. 244-267: "Verfolgt, vertrieben,
vernichtet. Das Schicksal der jüdischen Familie Salz-mann." und "Aus dem Leben
jüdischer Familien in Borbeck" in: Borbecker Nachrichten vom 10. Juni 1988)




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1 Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Frankfurt am Main 1955, S. 688 nach:
Karol Sauerland: Hannah Arendt in polnischer Wahrnehmung, in:
Treue als Zeichen der Wahrheit. Hannah Arendt: Werk und Wirkung. Essen: Klartext 1997, S. 139-150, S. 141.
(Studienreihe der Alten Synagoge. Band 6)

2 Zusätzlich zu den Literaturangaben finden sich weitere Informationen über die in der folgenden Liste
genannten Personen im Ruhrlandmuseum Essen Archiv Ernst Schmidt.


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